Schutz vor Rückstau aus dem Kanalsystem

DerKanal
10.02.2026
7
Min. Lesezeit
Dichte Putzklappe Kanal

Wenn nach einem heftigen Starkregen das Wasser plötzlich aus den Abflüssen im Haus kommt, wird es schnell unangenehm. Ein Rückstau im Kanalsystem gehört zu den größten Sorgen für Immobilienbesitzer, die Bodenabläufe unter der Rückstauebene haben. Doch wie entsteht dieses Problem eigentlich?

In diesem Blogbeitrag erfahren Sie alles über die Ursachen von Rückstau und wie Sie sich bestmöglich davor schützen können. 

Rückstau kompakt erklärt

  • Definition: Rückstau entsteht, wenn Abwasser aus dem Kanal zurück ins Haus gedrückt wird. Das passiert meist bei Starkregen oder Verstopfungen im öffentlichen Kanalsystem.
  • Gefahrenzone: Alle Abflüsse (WCs, Duschen, Waschmaschinen) unterhalb der Rückstauebene sind gefährdet.
  • Schutzsysteme: Je nach Bedarf schützen Rückstauklappen (für fäkalienfreies Wasser), Hebeanlagen (für WCs) und/oder druckdichte Putzöffnungen.
  • Versicherungsschutz: In Österreich leisten Versicherungen oft nur, wenn eine fachgerechte Sicherung vorhanden ist und eine regelmäßige Wartung nachgewiesen werden kann.
  • „Zertifizierter Rückstauschutz“: DerKanal bietet Ihnen ein durchdachtes Komplettsystem an. Dieser Service reicht von der Begutachtung Ihrer Immobilie über den fachgerechten Einbau bis hin zur regelmäßigen Wartung des Rückstauschutzes. 

Was ist ein Rückstau?

Unter einem Rückstau versteht man den Zustand, bei dem Abwasser aus dem öffentlichen Kanalnetz nicht mehr ordnungsgemäß abfließen kann und stattdessen zurück in die Hausanschlussleitungen gedrückt wird. Das Wasser steigt dabei in den Rohren an und tritt ohne geeignete Sicherung an der tiefsten Stelle im Gebäude aus. Besonders häufig betroffen sind Bodenabläufe, Duschen oder WCs in Keller- und Souterrainräumen.

Das entscheidende Maß zur Beurteilung des Risikos ist die Rückstauebene. Sie markiert den höchstmöglichen Wasserstand, bis zu dem Abwasser im Rückstaufall ansteigen kann, bevor es im öffentlichen Bereich überläuft. In Österreich liegt diese Ebene in der Regel auf Höhe der Straßenoberkante an der Anschlussstelle zum öffentlichen Kanal, häufig etwa 15 Zentimeter darüber. Alle Ablaufstellen unterhalb dieser Ebene gelten als rückstaugefährdet.

Wann wird die Rückstau zur Gefahr?

Eine Gefahr besteht immer dann, wenn Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene liegen und keine geeigneten Schutzmaßnahmen vorhanden sind. Bei Überlastung des Kanals kehrt sich der normale Abflussweg um und das Abwasser drückt ungehindert durch diese Öffnungen zurück ins Gebäude. Die Folgen können erhebliche Schäden an der Bausubstanz, an Einrichtung, Elektroinstallationen und Heiztechnik sein.

Warum tiefergelegene Abflüsse kritisch sind

Als Ablaufstellen bezeichnen wir alle Öffnungen im Haus, durch die Abwasser normalerweise in die Kanalisation abfließt. Liegen diese tiefer als die Rückstauebene (Straßenoberkante), kehrt sich dieser Weg bei Starkregen ohne Sicherung einfach um.

  • Typische Beispiele für gefährdete Ablaufstellen: Dazu zählen WCs, Duschen, Waschmaschinenanschlüsse oder Bodenabläufe in der Garage und im Keller.
  • Gefahr des Eindringens: Diese tiefergelegenen Öffnungen im Rohrsystem sind kritisch, da ohne Schutzmaßnahmen bei einem Rückstau dort Abwasser ungehindert in das Haus dringen kann.
  • Das Prinzip der kommunizierenden Gefässe (Rohr): Da Wasser immer versucht, denselben Pegelstand zu erreichen, steigt das Abwasser im Haus so hoch an wie im Kanal auf der Straße.

Rückstauebene selbst einschätzen

Um festzustellen, ob Ihre Räume gefährdet sind, können Sie sich an einfachen Merkmalen orientieren:

  • Straßenniveau als Richtwert: Befinden sich Ihre Kellerfenster oder Garageneinfahrten unterhalb des Niveaus des Gehwegs vor Ihrem Haus? Dann liegen Ihre Abflüsse sehr wahrscheinlich unter der Rückstauebene.
  • Fachmännische Prüfung: Für eine sichere Beurteilung ist jedoch eine fachmännische Ermittlung erforderlich, da die Rückstauebene insbesondere in Hanglagen deutlich höher liegen kann als die Straße unmittelbar vor dem Haus.

Experten-Check durch das DerKanal Team

Wir identifizieren für Sie alle kritischen Punkte ober- und unterhalb der Rückstauebene. Da jeder dieser Punkte eine Eintrittspforte für Fäkalwasser darstellt, ist eine lückenlose Erfassung die Basis für unseren „Zertifizierten Rückstauschutz“

Warum kommt es zum Rückstau?

Es gibt verschiedene Ursachen, warum das Kanalsystem an seine Kapazitätsgrenzen stößt und das Wasser den Weg des geringsten Widerstands – also zurück in Ihr Haus – wählt:

  • Starkregenereignisse: Das ist die häufigste Ursache. Wenn enorme Wassermengen in kürzester Zeit in die Kanalisation fließen, kann das öffentliche Netz diese Mengen nicht sofort abtransportieren. Der Kanal ist überlastet und staut sich bis zur Straßenoberkante auf. Dieser Vorgang ist auch von Seiten des öffentlichen Netzbetreibers nicht veränderbar, da die Kanalnetze nicht quantitativ nur sehr kostenintensiv erweiterbar sind.
  • Verstopfungen im Hauptkanal: Hindernisse im öffentlichen Rohrnetz, wie etwa durch Wurzeleinwuchs oder Fremdkörper, können den Abfluss behindern und einen lokalen Rückstau verursachen.
  • Rohrbruch oder Pumpenausfall: Ein technischer Defekt im städtischen Leitungsnetz oder der Ausfall einer öffentlichen Hebeanlage führt ebenfalls dazu, dass das Abwasser nicht mehr abfließen kann.
  • Reinigungsarbeiten: Bei Spülwagen-Einsätzen im Kanal wird Wasser mit hohem Druck eingespült. Ohne entsprechende Sicherung kann dieser Druck ausreichen, um Wasser durch Ihre Leitungen nach oben zu drücken.

Welche technischen Lösungen schützen vor einem Rückstau?

Technisch richtiger Rückstauschutz beginnt immer mit dichten Rohrleitungen. Des Weiteren können je nach Anforderungen vor Ort verschiedene mechanische oder elektrische  Barrieren bzw. eine Kombination daraus bestehen, die den Rückfluss von Abwasser verhindern. Damit diese Systeme im Ernstfall zuverlässig funktionieren, ist eine ordnungsgemäße und regelmäßige Wartung entscheidend.

Mechanische Rückstauklappe 

Mechanische Rückstauverschlüsse, auch Rückstauklappen genannt, arbeiten mit selbstschließenden Klappen, die sich bei rückdrückendem Wasser automatisch schließen. Sie eignen sich für untergeordnete Ablaufstellen ohne Fäkalien, etwa in Waschküchen oder Kellerräumen mit geringer Nutzung. Voraussetzung ist ein ausreichendes natürliches Gefälle zum Kanal. Diese Systeme müssen korrekt eingebaut und regelmäßig, idealerweise monatlich, kontrolliert werden.

Elektrisch gesteuerter Rückstauverschluss

Elektrisch gesteuerte Rückstauverschlüsse überwachen den Wasserstand im Kanal. Im Normalbetrieb sind die Klappen geöffnet, bei drohendem Rückstau schließen sie motorisch. Teilweise sind diese Systeme mit einer Pumpe kombiniert, sodass während eines Rückstaus ein eingeschränkter Abfluss möglich bleibt.

Abwasserhebeanlage

Eine Abwasserhebeanlage pumpt das Abwasser aktiv über eine Schleife, die über der Rückstauebene liegt, und bietet so einen physikalisch sicheren Schutz vor eindringendem Kanalwasser. Sie ist zwingend erforderlich, wenn WCs unter der Rückstauebene liegen oder kein natürliches Gefälle zum Kanal vorhanden ist. Im Gegensatz zur Rückstauklappe ermöglicht sie die uneingeschränkte Nutzung der Sanitäranlagen auch während eines Rückstauereignisses. Eine regelmäßige Wartung der elektrischen Komponenten ist für die dauerhafte Betriebssicherheit dieser aktiven Systeme entscheidend.

Druckdichte Putzöffnungen

Druckdichte Putzöffnungen (Reinigungsverschlüsse) stellen bestmöglich sicher, dass bei einem Rückstau kein Abwasser aus den Wartungsöffnungen der Rohrleitungen austritt. Eine Rückstauklappe allein ist oft nur eine Teillösung, wenn diese Schwachstellen im Rohrsystem nicht massiv verschlossen sind. Unser „Zertifizierter Rückstauschutz“ berücksichtigt dies und stellt das gesamte System druckdicht her, damit das Wasser im Ernstfall im Rohr bleibt. Im Zuge einer regelmäßigen Wartung prüfen wir die Dichtungen dieser Öffnungen gezielt auf ihre Belastbarkeit.

Warum ist die Wartung des Rückstauschutzes wichtig?

Ein Rückstauschutz kann aus mechanischen und/oder elektrischen Komponenten, die nur durch regelmäßige Wartung im Ernstfall, zuverlässig funktionieren. Verschmutzungen, Ablagerungen oder spröde Dichtungen können dazu führen, dass Barrieren nicht mehr vollständig schließen.

Eine fachgerechte Wartung schützt Sie doppelt:

  • Funktionsgarantie: Wir stellen sicher, dass Klappen frei beweglich sind und Pumpen sofort anlaufen.
  • Rechtliche Absicherung: Viele Versicherungen leisten bei Rückstauschäden nur dann, wenn eine regelmäßige Wartung durch einen Fachbetrieb nachgewiesen werden kann.
  • Werterhalt: Durch professionelle Wartung verlängert sich die Lebensdauer Ihrer Anlage erheblich, was teure Neuanschaffungen vermeidet.

Checkliste Rückstau

Ein wirksamer Schutz vor Überflutungen beginnt bei der korrekten Installation und regelmäßigen Kontrolle der gesamten Anlage. Prüfen Sie Ihre Immobilie anhand dieser kritischen Punkte:

1. Kennen Sie Ihre Rückstauebene?

Die Rückstauebene ist das entscheidende Maß für Ihre Sicherheit. Sie liegt in der Regel 15 Zentimeter über dem nächstgelegenen Kanaldeckel auf der Straße. Alle Abflüsse unterhalb dieses Niveaus sind bei Starkregen unmittelbar gefährdet.

2. Druckdichte Putzstückdeckel

Putzöffnungen sind oft die unterschätzte Schwachstelle.

  • Dichtheits-Check: Sind die Deckel fest verschlossen? Nur absolut druckdichte Verschlüsse verhindern im Rückstaufall den Wasseraustritt im Keller.
  • Materialprüfung: Dichtungen werden mit der Zeit spröde und rissig. Sie müssen regelmäßig gepflegt oder ausgetauscht werden, um elastisch zu bleiben.

3. Richtige Sicherung je nach Abflussart

Nicht jede Sicherung ist für jeden Abfluss geeignet.

  • WC-Sicherung: WCs unter Straßenniveau müssen zwingend mit einer Fäkal-Hebeanlage gesichert werden. Herkömmliche Klappen sind für Fäkalienleitungen ungeeignet, da Klopapier und Rückstände die Scharniere blockieren können.
  • Nebenleitungen: Rückstauklappen dürfen nur in Nebenleitungen (z. B. Waschbecken oder Duschen ohne Fäkalien) verbaut werden. Diese müssen mechanisch verriegelt bleiben und sollten nur während der Benutzung geöffnet werden.

4. Trennung der Leitungswege

Ein modernes System trennt die verschiedenen Wasserwege, um hausgemachte Überflutungen zu vermeiden:

  • Regen- vs. Schmutzwasser: Dachrinnen und Balkonabläufe sollten in getrennten Fallleitungen geführt und idealerweise erst außerhalb des Gebäudes zusammengeführt werden. Bei gemeinsamen Leitungen im Haus kann Regenwasser sonst höherliegende Räume fluten.
  • Freies Gefälle: Abflüsse aus den oberen Etagen (über der Rückstauebene) müssen immer im freien Gefälle direkt in den Kanal entwässern. Sie dürfen nicht über eine Pumpe geführt werden, damit sie auch bei Stromausfall sicher funktionieren.

5. Belüftung über Dach 

Dieser Punkt ist nicht in jedem Fall zwingend erforderlich, aber auf alle Fälle empfehlenswert:

  • Funktion: Die Fortführung der Abwasser-Fallleitung in gleichbleibendem Durchmesser bis über das Dach sorgt für eine ausreichende Be- und Entlüftung.
  • Vorteil: Dies verhindert das Leersaugen der Geruchsverschlüsse (Siphons) und ermöglicht das sichere Ableiten von Faulgasen ins Freie.

FAQ

Was ist die Rückstauebene?

Die Rückstauebene markiert den höchstmöglichen Punkt, bis zu dem Rückstauendes Abwasser in einer Liegenschaft ansteigen kann, bevor es zu Überlaufen auf öffentlichem Gut kommt. In der Regel entspricht sie in Österreich der Straßenoberkante an der Anschlussstelle zum öffentlichen Kanalnetz.

Alle Ablaufstellen wie WCs, Duschen oder Bodenabläufe, die sich unterhalb dieser Ebene befinden, sind unmittelbar durch Rückstau gefährdet. Liegen Ihre Abflüsse oberhalb dieser Ebene, fließt das Wasser selbst bei Überlastung des Kanals meist noch drucklos ab, ohne ins Haus einzudringen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Rückstauklappe und einer Hebeanlage?

Eine Rückstauklappe verhindert den Rückfluss von Abwasser mechanisch oder elektrisch und ist nur für Ablaufstellen ohne WC geeignet. Eine Hebeanlage pumpt das Abwasser aktiv über die Rückstauebene und ist immer erforderlich, wenn WCs unterhalb dieser Ebene liegen oder kein natürliches Gefälle vorhanden ist.

Zahlt die Versicherung bei Rückstauschäden in Österreich?

In Österreich ist ein Rückstauschaden meist nur dann gedeckt, wenn dies explizit als Zusatzbaustein (oft unter „Erweiterte Elementargefahren“) in der Eigenheim- oder Haushaltsversicherung vereinbart wurde. Zudem leisten Versicherungen im Schadensfall oft nur, wenn die Rückstausicherung fachgerecht eingebaut und nachweislich regelmäßig gewartet wurde.

  • Sorgfaltspflicht: Versicherer setzen häufig voraus, dass Ablaufstellen unter der Rückstauebene dem Stand der Technik entsprechend gesichert sind.
  • Wartungsnachweis: Fehlt der Nachweis über die jährliche Wartung durch einen Fachbetrieb, kann die Versicherung die Auszahlung wegen grober Fahrlässigkeit kürzen oder ganz ablehnen.
  • Keine Standarddeckung: In der klassischen Basis-Versicherung gegen Leitungswasserschäden sind Schäden durch Rückstau aus dem öffentlichen Kanal oft nicht automatisch enthalten.

Reicht eine Rückstauklappe allein als Schutz aus?

In vielen Fällen nicht. Undichte Putzöffnungen oder alte Rohrverbindungen können weiterhin als Austrittsstellen dienen. Ein wirksamer Rückstauschutz muss daher das gesamte Rohrsystem druckdicht berücksichtigen.

Wie oft muss eine Rückstausicherung gewartet werden?

Mechanische Rückstauverschlüsse sollten regelmäßig kontrolliert und mindestens einmal jährlich durch einen Fachbetrieb gewartet werden. Hebeanlagen und elektrische Systeme erfordern ebenfalls eine jährliche Wartung. Diese ist oft Voraussetzung für den Versicherungsschutz.

Was passiert, wenn während eines Rückstaus Wasser genutzt wird?

Bei einer Rückstauklappe darf während eines Rückstaus kein Wasser eingeleitet werden, da es sonst im Gebäude austreten kann. Eine Hebeanlage ermöglicht hingegen die normale Nutzung der Sanitäranlagen, da das Abwasser aktiv abgepumpt wird.

Wer haftet bei Rückstauschäden – Gemeinde oder Eigentümer?

In der Regel liegt die Verantwortung beim Eigentümer der Immobilie. Rückstau bei Starkregen gilt als betriebsbedingtes Ereignis des Kanalnetzes. Ohne geeignete Rückstausicherung besteht meist kein Anspruch auf Schadenersatz gegenüber der Gemeinde.

Fazit

Rückstau aus dem Kanalsystem ist ein ernstzunehmendes Risiko für Immobilien, insbesondere bei zunehmenden Starkregenereignissen. Entscheidend ist die Lage der Ablaufstellen in Bezug auf die Rückstauebene. Mechanische oder elektrische Rückstauverschlüsse, Abwasserhebeanlagen sowie druckdichte Putzöffnungen bilden zusammen mit einem dichten Kanalsystem die Grundlage für wirksamen Schutz. Regelmäßige Wartung ist dabei unverzichtbar – technisch, rechtlich und für den Erhalt des Versicherungsschutzes.

Dieser Blogbeitrag fasst die wesentlichen Schutzmaßnahmen gegen Rückstau für Immobilien in Österreich zusammen. Er erklärt die Funktion der Rückstauebene, unterscheidet zwischen Rückstauklappen und Hebeanlagen und betont die Wichtigkeit druckdichter Putzöffnungen. Ein besonderer Fokus liegt auf der regelmäßigen Wartung, die in Österreich maßgeblich für den Erhalt des Versicherungsschutzes ist.

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Das Team von DerKanal ist Experte für das gesamte Abwassermanagement: von der Rohrreinigung und Kanalsanierung bis hin zur Untersuchung und Prävention.